Man könnte glauben es gäbe genug Banken in Europa. Oder eigentlich zu viele. Der Tenor der letzten Monate war einhellig: Konsolidierung ist gefordert. So sieht es zumindest der ehemalige Deutsche Bank Chef Ackermann, der in einer Konsolidierung des europäischen Bankenmarktes die Antwort auf Trump’s „America First sieht“. Und so sieht es die UBS in ihrer letzten großen Bankenstudie mit dem Titel „The urge to merge“.

Und genau in diesem Klima schicken sich zwei Außenseiter an, gemeinsam eine neue Retail-Bank aufzubauen, mit nichts weniger als dem Anspruch, die größte Privatkundenbank Österreichs aus dem Boden zu stampfen. Die österreichische Post, mit mehr als 50% immer noch im Staatsbesitz, und die deutsche FinTech Group, einer der agilsten Player am deutschen Bankenmarkt, starten mit einer 50/50 Aufteilung eine gemeinsame Bank, die 2019 an den Start gehen soll. Genau dann, wenn die alte Partnerschaft der Post mit der BAWAG Bank endet. Aus dem Stand ist die neue Bank damit in knapp 2.000 Filialen und Partnern der Post vertreten. Die FinTech Group Bank wird zudem ihre Niederlassung in Österreich, die unter der Marke flatex.at auftritt, inklusive der rund 30.000 bestehenden Kunden in das Joint Venture einbringen.

Die Partnerschaft kann zukunftsweisend für die ganze Branche sein: Ohne Altlasten kann eine hochmoderne Bank – die FinTech Group gilt als einer der besten IT-Dienstleister in der Bankenbranche – aufgebaut werden, die online und offline ein überzeugendes Angebot hat.

Um die Partnerschaft zu untermauern, hat sich die Post zudem mit 7% an der FinTech Group beteiligt. Wie man aus dem Umfeld der Post hört, sind weitere Aufstockungen nicht ausgeschlossen, sobald das Joint Venture operative Fahrt aufnimmt.

FinTech Group CEO Frank Niehage, dessen Beschreibung in der Branche von „FinTech Rebell“ bis zum „besten deutschen Bank-CEO“ reicht, ist damit sein Meisterstück gelungen. Ebenso freuen dürfte sich der deutsche Unternehmer und Investor Christian Angermayer, der Niehage 2014 bei der FinTech Group an Bord geholt und mit ihm zusammen den starken Wachstumskurs vorangetrieben hat. Seit dem Einstieg der beiden im Jahr 2014 konnte sich der Aktienkurs mehr als versechsfachen. Und die Wachstumsstory sollte noch lange nicht zu Ende sein. Startet die neue Bank erfolgreich, könnte das österreichische Modell eine Blaupause auch für andere Länder sein.