Auf der Fashion Week Berlin führten dieses Jahr nicht nur Designer ihre aktuellen Entwürfe der versammelten Fashion-Elite vor. Auch unterschiedlichste Unternehmen stellten ihre neuesten Entwicklungen, die die Modewelt revolutionieren könnten, vor. So mischte sich auch Fabian Vogelsteller unter die Designbegeisterten und präsentierte in der Hauptstadt sein Startup Lukso.

Mit seinem Unternehmen möchte Vogelsteller gerade der Fashionindustrie eine Möglichkeit aufzeigen, gezielt gegen Markenpiraterie vorzugehen. Dazu nutze er seine Erfahrungen als Entwickler für die Kryptowährung Ethereum. Mit Hilfe einer Blockchain, so Vogelsteller, können man Markenprodukte fälschungssicher machen. Dafür entwickelt Lukso aktuell einen Chip, der für jedes Produkt einen unverwechselbaren Identitätsnachweis liefert.

Lukso: Chip statt QR-Code

Während aktuell viele Luxusmarken auf scannbare QR-Codes setzen, die dem Käufer per App die Echtheit des Produktes zertifizieren, zweifelt Vogelsteller an deren Effizienz. So gibt er zu bedenken: „Das Problem mit den QR-Codes ist: Ich kann das Original einfach kopieren“. Das bedeutet, dass die immer schneller auf dem Markt erscheinenden Produktkopien auch einfach den QR Code des Herstellers kopieren und diesen in die Produkte einnähen. Für Kunden sowie für die Luxushersteller ein enormes Ärgernis.

Luksos eingearbeiteter Chip soll diesem Problem ein Ende setzen. Zwar auswert- aber in seiner Programmierung nicht auslesbar, sollen die gespeicherten Daten zum Produkt in der Blockchain für Kunden und Händler offengelegt werden. Durch die Nichtfreigabe des Systems, mit dem die Daten erfasst werden, bleiben sie somit aber vor einer Abänderung und dem Kopieren geschützt. In Vogelstellers Worten: „Es gibt Chips, die können signieren, ohne dass du den Schlüssel zur Signatur kennst. Es ist ein bisschen so, als könntest du einen QR-Code generieren, beim dem du sehen kannst, dass er korrekt ist, ohne zu wissen, wie er aussieht.“

Lukso: Kampfansage an eBay und Co.

Interessant ist das Ganze aber nicht nur für den Erstkäufer. Auch für das Second-Hand Luxuswaren könnte so eine genaue Besitzer-Historie abrufbar sein. Gerade bei privaten Verkäufen könnte so dem Käufer zusätzlich zur Garantie, ein Original zu erstehen, auch die Möglichkeit gegeben werden, zu sehen durch wie viele Hände sein neues Lieblingsstück bereits gewandert ist.

Von diesem Ansatz ausgehend, planen Vogelsteller und das restliche Lukso Gründerteam, bestehend aus Silke Bolms, Marjorie Hernandez und Lorie Karnath, auch schon einen weiteren Schritt. Lukso könnte in Zukunft Plattformen wie beispielsweise eBay durch eine eigene und ganz neue Infrastruktur für die Modebranche ersetzen. Transaktionen, die weder über PayPay noch über Banken abgeschlossen werden müssen, sind deutlich kostengünstiger, was besonders die Unternehmen freuen könnte. „Aktuell stellen Plattformen die Infrastruktur bereit und deswegen können sie auch so viel verlangen: Denn sie sind die einzigen, die diese Infrastruktur gebaut haben. In der Zukunft sind sie eher ein Service-Anbieter auf der Blockchain. Die Infrastruktur ist die Blockchain, und idealerweise ist sie so gebaut, dass sie niemandem gehört.“ erklärt Vogelsteller. 

Dezentral kontrolliert, falle nach dem Vorbild der Krypto-Blockchains die Relevanz des Mittelsmannes weg. Denn genau wie bei den Crypto-Currencies die Rolle der Banken durch das Netzwerk übernommen wird, übernähmen dann auch alle Netzwerkteilnehmer die Garantiefunktion die heute noch Plattformen wie eBay  innehalten. So stellt die Blockchain also sicher, dass Transaktionen kontrolliert ablaufen, der Käufer seine Ware und der Verkäufer sein Geld bekommen.

Lukso: Skalierbarkeit problematisch

Leider, so gibt Vogelstelle im Gespräch mit Business Insider zu, lasse sich die Technologie jedoch noch nicht wirklich skalieren. So schaffe die Ethereum Blockchain momentan weltweit nur rund 15 Transaktionen pro Sekunde. Wird das Netzwerk von zu vielen Teilnehmern gleichzeitig genutzt, entsteht eine Art Kommunikationsstau. Daran muss also noch gearbeitet werden. Aber auch bis Lukso tatsächlich an den Start geht, wird noch ein bisschen Zeit ins Land gehen. Aktuell sucht das Startup nach Partnern, um in Zukunft die großen Luxusmarken mit ihrem Konzept überzeugen zu können.