Schwierige Zeiten voraus: Erst im März berichtete das Handelsblatt, dass das deutsche Flugrecht-Startup Geld-für-Flug eine 25 Millionen schwere Investition, u.a. vom Unternehmer und aktuell im TV nach neuen Investitionsmöglichkeiten suchenden Carsten Maschmeyer und seinem Venture Capital Seed & Speed sowie der Liechtensteiner Investmentgesellschaft CAIAC, erhielt. Doch nun könnte ein Gerichtsurteil ein vorzeitiges Stagnieren des vielversprechenden Startups verursachen.

Geld-für-Flug – Geld für stornierte Flüge

Das Konzept der Düsseldorfer unterscheidet sich dabei in einem wesentlichen Punkt von den bereits vor ein paar Jahren aus dem Boden geschossenen Flugrecht-Startups. Während die Konkurrenten wie Wirkaufendeinenflug, Euflight, Compensation2go und Flightright ihren Kunden helfen, eine Entschädigung für ausgefallene oder verspätete Flüge zu bekommen, geht Geld-für-Flug einen Schritt weiter und möchte auch Kunden, die ihren eigenen Flug storniert haben, eine Rückerstattung anbieten.

Innerhalb von nur 24 Stunden erhalten Kunden demnach auf alle ausgefallenen oder nicht angetretenen Flüge eine gewisse Summe, die für den jeweiligen Flug auf der Plattform ermittelt wird. Im Grunde handelt es sich dabei mindestens um den Betrag, den Steuern und Gebühren beim Ticketkauf ausmachen. Anschließend verhandelt Geld-für-Flug mit der jeweiligen Airline, notfalls auch vor Gericht mit der Hilfe von Partneranwälten. Oftmals kommen bei diesen Verhandlungen jedoch höhere Zahlungsangebote heraus als lediglich der Ausgleich der Steuern und Gebühren. Dies liegt vor allem möglichen am Weiterverkauf der nun wieder frei gewordenen Sitzplätze. Der Kunde hat zu diesem Zeitpunkt bereits seine vorab berechnete Erstattung auf dem Konto und so kann das Startup die Differenz für sich verbuchen.

Geld-für-Flug – 10.000 Anträge, 97% Erstattung

Sowohl für Kunden als auch für die Anbieter zahlt sich das Ganze aus. Während der Kunde sich über wenig Aufwand und eine schnelle angemessene Entschädigung auf dem Konto freut, konnten sich die Anbieter bereits über ein reges Interesse der Fluggesellschaften und ein großes Entgegenkommen der Verantwortlichen freuen. So verraten Phillip Eischet, Benedikt Quarch und Torben Antretter, Gründer von Geld-für-Flug, im Gespräch mit Gründerszene: „Du kannst dir das so vorstellen: Wenn ich dich 50 Mal vor Gericht verklage, 50 Mal gewinne und du die 51. Klage auf dem Schreibtisch hast, dann greifen schon mal die einen oder anderen zum Hörer, um zu sehen, ob wir das nicht vielleicht außergerichtlich regeln“. Mit diesem Elan und Know-How haben die drei Jungunternehmer und ihr zehnköpfiges Team seit der Gründung 2017 schon 10.000 Anträge mit einer Erstattungsquote von 97 Prozent bearbeitet. Doch bis diese Erstattungen bei Geld-für-Flug eingehen, vergehen oft mehrere Monate. Auch um diesen Zeitraum zwischen der 24-Stunden-Garantie für den Kunden und dem tatsächlichem Eingang der Erstattung oder Entschädigung auf dem Firmenkonto zu überbrücken, benötigt das Startup die aktuelle Investitionssumme.

Geld-für-Flug – Das fatale Urteil für Flugrecht-Startups

Doch mit einem neuen Gesetz könnte der Hype um Flugrecht-Startups so enden. Im März fällte der Bundesgerichtshof ein Urteil, nach dem Fluggesellschaften im Fall einer Stornierung tatsächlich nur noch verpflichtet sind, Steuern und Gebühren an die Kunden zu erstatten. Damit entfällt der Spielraum um Gewinne zu erwirtschaften und einige Startups stellten kurz nach dem Urteil ihre Dienste bereits ein. So ließ Fairplane, welches die Plattform TicketRefund betreibt auf der Firmenwebsite verlauten: „Leider können wir aufgrund des Urteils des BGH im Moment keine neuen Fälle für TicketRefund zur Bearbeitung annehmen“. Das Unternehmen müsse demnach erst einmal das Urteil prüfen.

Die Gründer von Geld-für-Flug geben sich da deutlich gelassener. „Das Urteil schränkt erst einmal Verbraucherrechte ein, aber es sind vor allem Leute betroffen, die Langstreckenflüge buchen“. Auch wenn das Urteil vorsieht, nur Steuern und Gebühren zu erstatten, egal ob Sitzplätze im Nachhinein frei bleiben müssen oder erneut besetzt werden können, schlagen doch gerade bei Kurzstreckenflügen diese Posten im Vergleich zum eigentlichen Flugpreis deutlich zu buche und machen den Service noch immer sehr attraktiv für verärgerte Kunden. Außerdem gibt sich Gründer Quarch selbstbewusst: „Und das letzte Worte ist in der Sache auch noch nicht gesprochen“.

Skalierbarkeit und Ausweitung des Geld-für-Flug Geschäftsmodells

Für die Zukunft planen die Unternehmer ihr Geschäftsmodell auszuweiten. So können sie sich beispielsweise die Zusammenarbeit mit Reisebüros vorstellen. Aber auch eine Übertragung auf andere Branchen ist in Planung. So erklärt Phillip Eischet: „Die Diskrepanz zwischen Recht haben und Recht bekommen zu überbrücken, trifft auf viele Bereiche im Konsumentenrecht zu. Unser Plan ist, das, was wir erfolgreich im Flugbereich machen, auf andere Verticals zu übertragen.“