In der aktuellen B-Serie Finanzierungsrunde konnte das kalifornische Startup Outdoorsy 25 Millionen Dollar frisches Kapital einsammeln. Das in San Francisco ansässige Mobility Startup, welches auf die Vermietung privater Camper und RVs spezialisiert ist, konnte damit seit seiner Gründung im Jahr 2014 eine Gesamtinvestition von 31,5 Millionen Dollar generieren. Zu den Investoren der aktuellen Finanzierungsrunde gehören Aviva Ventures und Altos Ventures. Außerdem beteiligten sich Tandem Capital und Autotech Ventures.

Mit ihrem Angebot treffen sie genau den Nerv der Zeit, erklärt Unternehmensgründer Jeff Cavin. So suchen jedes Jahr rund 35 Millionen Amerikaner nach Mietfahrzeugen wie Campern, RVs oder SUVs mit Schlafmöglichkeit. 38% davon gehören zur Gruppe der sogenannten Millennials. Leider gäbe es aktuell jedoch lediglich rund 100.000 Fahrzeuge, die von kommerziellen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Diese große Kluft wollen die Kalifornien nun mit Outdoorsy füllen und zwar durch Vermietung von privat an privat.

Outdoorsy – Auszeit vom Alltag

„Amerikaner sehnen sich verzweifelt nach einer Auszeit. Was dann passiert ist, dass sie sich ein Camper kaufen und im ersten Jahr damit unterwegs sind.“ erklärt Cavin. „Im zweiten Jahr nutzen sie ihn vielleicht noch eine Woche. In der ganzen Zwischenzeit stehen die Camper herum, setzen Staub an und kosten Lager- und Versicherungsgebühren. Im dritten Jahr geht es zurück zum Verkäufer. ‚Wir haben genug.‘ und der Verkäufer antwortet ‚Tut mir leid, aber das Fahrzeug, was Sie vor drei Jahren für 100.000 Dollar gekauft haben, ist jetzt nur noch 40.000 Dollar wert.‘“ Mit einer Vermietung über Outdoorsy könne diesem Dilemma entgegen gewirkt werden und die Erfahrung im Camper durch die USA zu reisen für mehr Menschen möglich gemacht werden.

Outdoorsy erhält vom Mietpreis dabei von rund 10% wobei ein Teil dieser Gebühr für Versicherungen und Roadsite-Assistence verwendet wird. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Versicherungsgesellschaften bietet Outdoorsy diverse Pakete an, die sowohl für Schäden für Vermieter, Mieter sowie Dritte in Höhe von bis zu 2 Millionen Dollar abdeckt. Der Vermieter erhält für die Zurverfügungstellung seines Wohnmobils zwischen 80 und 94 % des Mietpreises, abhängig von ihrem jeweiligen Trust Level und der Anzahl der in Outdoorsy eingestellten Fahrzeuge.

Outdoorsy – Airbnb Plus

Auch wenn branchenübergreifende Vergleiche mit Privat-zu-Privat Vermietung à la Airbnb immer gezogen werden und das Prinzip natürlich sehr ähnlich ist, verweist Outdoorsy Gründer Cavin auf eine emotionale Komponente seines Angebots. So erklärt er, wäre es Standard, dass sich Vermieter und Mieter immer persönlich treffen. So werden die Vermieter von Outdoorsy dazu angewiesen, die Übergabe sowie eine Einweisung in die Handhabung des Fahrzeuges persönlich vorzunehmen. Auf diese Weise, so Cavin, konnten einige User bereits enge Freundschaften miteinander knüpfen und sogar eine Ehe sei bereits aus einem dieser persönlichen Treffen hervor gegangen.

Vier Jahre nach der Gründung, ist die frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde ein ganz besondere Erfolg für das kalifornische Startup. Denn wie auch vielen anderen Gründern, fiel es auch Cavin anfangs schwer, Investoren für sein Projekt zu begeistern. Nach vielen Absagen und anfänglicher Finanzierung aus eigener Tasche, fanden er und Mitgründerin und Lebensgefährtin Jen Young schließlich mit NFX, einem Venturer und Accelerator, einen starken Partner der das Potenzial ihrer Plattform erkannte. So steht NFX jedes Jahr einer Handvoll Startups mit Kapital sowie Rat und Tat zur Seite und setzt besonders auf einen Networking-Effekt seiner Schützlinge.

Dank dieser Zusammenarbeit lernten die Gründer auch, sowohl die Plattform also auch Abläufe zu professionalisieren. So erklärt der Gründer „Wir haben Power-Seller auf EBay, Immobilienmakler auf Zillow oder Hausverwalter auf Airbnb vor Augen und wissen, wir brauchen starke Partner wie diese auf der Plattform.“ Und dass die Vermietung mehrere speziell zur Vermietung angeschaffter Wagen für Privatpersonen durchaus lukrativ sei, erklärt der Firmengründer anhand eines Beispiels. Man stelle sich eine allein erziehende Mutter aus Huntington Beach, Kalifornien, vor, die sich fünf Fahrzeuge angeschafft hat, um das Jura Studium ihrer Tochter am UC Berkeley zu finanzieren. So erklärt Cavin „Es ist ein bisschen wie Heimarbeit. Leute können ihr Geschäft vom Küchentisch aus führen.“ Auf solche aufstrebende Power-Seller möchte Outdoorsy in Zukunft setzen.

Apropos starke Partner: Mit KOA, Kampgrounds of America, konnte Ourtdoorsy bereits eine wirklich große landesweite Kooperation eingehen. So liefert KOA, mit über 500 Campgrounds in den USA, den Stellplatz und Outdoorsy das Hotel auf Rädern.

Outdoorsy – Vom Camping-Urlaub zur Event-Unterkunft

Während Camper und RVs für die meisten Menschen unerschwinglich sind, steigt dennoch die Nachfrage an ungewöhnlichen Destinationen, die Homestay- oder Hotelangebote einfach nicht abdecken können. Man denke beispielsweise an Festivals wie Coachella oder Burning Man. Diese Bedarf zu decken, hat sich Outdoorsy vorgenommen. So kann sich Cavin vorstellen, dass dank großen Kooperationen in Zukunft Kunden bereits im Bestellvorgang für Tickets für ein NASCAR Rennen das passende Fahrzeug für den Weg und die Übernachtung während des Rennwochenendes direkt mitbuchen können.

Aktuell nutzen bereits 256.000 User Outdoorsy, wobei die Plattform laut Cavin ein monatliches Wachstum von 21.000 neuen Usern verzeichnet.