Stell dir vor, du bestellst dir eine Box voller Süßkram und alles ist abgelaufen, angeschmolzen oder teils bröselig. So ergeht es Kunden bei Snackfox. Doch das ist nicht üble Abzocke sondern ein neues Geschäftsmodell.

Snackfox will Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln eindämmen

Darüber, dass Verschwendung und sogar die Vernichtung genießbarer Lebensmittel gestoppt werden muss, sind sich heutzutage die meisten Menschen bewusst. Die Vereinten Nationen und die Welthungerhilfe rufen seit Jahren dazu auf, das eigene Kauf- und Konsumverhalten zu beobachten und Verschwendungen vorzubeugen. Daher sollte doch eigentlich das Konzept des Knabberkram-Startups Snackfox genau ins Schwarze treffen, oder? Ja und nein!

Einerseits sind wir uns einig, dass Mitgründer Michael Bruck mit seiner Aussage „Es kann doch nicht sein, dass wir Plastiktüten verbieten, aber gleichzeitig Kekse verbrennen“ absolut recht hat, doch auch wenn Bruck hier über Kekse redet, verscherbelt das Startup auch wahre Kalorienbomben wie Gummibärchen, Lakritz und Schokoriegel – qualitativ hochwertige B-Ware, so das Unternehmen – und das in großen Mengen. Auf der Website wirbt das Unternehmen mit einem Appell an das Konsumentenherz „Du naschst gerne gut und günstig, willst aber gut zu Mensch und Umwelt sein? Dann bist du hier genau richtig!“. So will das Startup dazu beitragen, dass die Masse von 114.000 Tonnen Süßwarenprodukte, die jährlich weggeworfen oder gar verbrannt werden, sinnvoll reduziert werden könne. Doch was ist mit dem eigenen Herz und der Gesundheit der Naschkatzen?

Ernährungsberater warnen vor Süßkram-Abos zu Rabattpreisen

Denn auch wenn der Ansatz gut scheint, sorgt das Unternehmen mit seinem Angebot gleichzeitig aber auch für Stirnrunzeln bei Ernährungsberatern. So heize ein Abo-System mit Süßwaren den Konsum der zuckerhaltigen Snacks an. Der zusätzliche Rabatt von bis zu 25 Prozent sorgen außerdem für einen Anreiz, dass Verbraucher mehr Zuckerzeug konsumieren, als sie es ohne solche Angebote täten. Barbara Bitzer, Chefin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), sieht das Konzept äußerst kritisch „Derartige Angebote lehnen wir ab. Solche Boxen beinhalten ungesunde Zucker- und Fettbomben“, erklärt sie im Gespräch gegenüber der WELT: „Die Boxen werden unter dem Deckmäntelchen ,Snackboxen‘ angeboten – was aus unserer Sicht die Verbraucher zu sehr täuscht.“ In den Boxen von Snackfox erwarten Naschkatzen rund 1,7 Kilogramm Bonbons, Fruchtgummi oder Schokolade, umgerechnet bis zu 4000 Kalorien. Das entspricht rund 7 Kilo Äpfeln. Auch wenn letztendlich jeder Kunde für seinen eigenen Verbrauch verantwortlich ist, hat die Expertin recht:  „Die Großpackungen verleiten dazu, deutlich mehr an hochkalorischen Süßigkeiten zu konsumieren als einen kleinen Snack“. Sie empfiehl Kunden lieber zu Obst zu greifen – solche Boxen können man ja auch bequem im Internet bestellen. Snackfox steht der Kritik gelassen gegenüber. Laut Bruch bleibe der Verbrauch gleich, die Kunden würden eben lediglich weniger Süßwaren in den Supermärkten kaufen. 

Bildquelle: Snackfox