Studium oder Firmengründung? Bachelor Abschluss in der Tasche oder ein eigenes Startup gründen? In Bremerhaven können junge Kreative nun beides zur gleichen Zeit absolvieren.

Mit einem in Deutschland gänzlich neuem Studiengang ermöglicht die Hochschule Bremerhaven ab diesem Herbst Studenten direkt ins Startup-Business einzusteigen. Mit „Gründen, Innovation, Führung“, kurz GIF, wird der Hörsaal gegen echte Unternehmungsgründung ausgetauscht. Dozenten werden zu Coaches und Vorlesungen zu Business-Talks. „Wir suchen Menschen, die gründen, die machen, die eine Idee haben und umsetzen wollen. Sie in eine Vorlesung zu stecken, wäre doch ein Widerspruch in sich.“ Erklärt Professor Michael Vogel von der Hochschule Bremerhaven. Er ist es auch, der den neuen Studiengang in Deutschland etablieren und so neue Möglichkeiten für den Start in das Berufsleben schaffen will.

Startup statt Hörsaal

Inspiriert wurde Professor Vogel von dem, in Finnland bereits etablierten, System der Team Academy. Dort können seit 1993 junge Erwachsene schon früh in speziellen Learning Communities das Wissen und die Fähigkeiten entwickeln, die es braucht, um ein eigenes Unternehmen zu führen, ohne dabei die Möglichkeit und den Zeitpunkt zu verpassen, einen Uni Abschluss erlangen.

Auch in Deutschland soll sich dank des Einsatzes und Enthusiasmus von Professor Michael Vogel dieses Studium durchsetzen. Im ersten Semester stellt die Hochschule Bremerhaven dazu 45 Studienplätze zur Verfügung.

GIF – Studenten gründen Startup

Jeweils 15 Studenten gründen gemeinsam eine Firma, gleich am Anfang des Studiums. In diesen Gruppen sollen sie sich dann genossenschaftlich organisieren und sofort loslegen. Auch ums Startkapital und Kredite müssen sich die Studenten selbst kümmern. „Genau darum geht es ja: einfach mal loszulaufen, die eigenen Hemmungen zu überwinden, Laufen lernen und auf Leute zuzugehen“, erklärt Professor Vogel und ergänzt: „Hier gibt es keine Komfortzone und vom ersten Tag an Kundenarbeit.“

In sechs Semestern werden den jungen Kreativen dann alle Fähigkeiten beigebracht, die es braucht, um die eigene Firma erfolgreich zu leiten. Module wie Produktentwicklung, Marketing, Teamleitung und Finanzplanung werden statt mit Klausuren durch Reflektionspapiere benotet. „Entrepreneure schreiben keine Klausuren.“, betont Professor Vogel. Die Vorraussetzungen für die Annahme zu diesem bis jetzt einmaligen Studiengang im deutschsprachigen Raum sind jedoch nicht ganz so einfach. Die Bewerbung umfasst drei Fragen zur Motivation, Selbsteinschätzung und Vorerfahrung. Deren Beantwortung spielt mit 45 Prozent eine wichtige Rolle für die Zulassung. Die restlichen 55 Prozent tragen die Abitur Noten bei.

Startup und Bachelor-Abschluss

Am Ende der drei Jahre erlangen die Startuppler dann trotz ungewöhnlichem Studium einen ganz klassischen Abschluss, den Bachelor of Arts. Möglich ist es, dass es irgendwann auch einen Master-Anschluss geben könnte, doch Professor Michael Vogel bezweifelt, dass das nötig ist. So sollen die Studenten lieber mit ihren Ideen raus auf den Markt und das Erlernte anwenden.  „Wer Unternehmer ist, will dann auch raus mit seiner Firma, seinem Produkt.“ Und vielleicht bleibt der eine oder andere ja dann auch in Bremerhaven. Denn  „…in dieser Stadt gibt es so viele Menschen mit Ideen und auch eine Gründerszene rund um die maritime Wirtschaft“, sodass das der „…neue Studiengang doch einen ganz wichtigen Impuls geben“ könne, so Professor Vogel.

Aber nicht nur Bremerhaven zeigte Interesse an dem neuen Konzept. Auch größere renommierte Unis gefiel die Idee, die jedoch aufgrund der komplexen Strukturen solcher Einrichtungen schwer umsetzbar schienen. „Sie haben dann aber wieder abgewunken: Ihre Häuser waren zu groß, mit zu vielen Gremien. In Bremerhaven mit unserer flachen Hierarchie geht das viel besser.“ freut sich Professor Michael Vogel trotzdem. Wer weiss, sollte sich der Studiengang auch in Deutschland als erfolgreich herausstellen, könnten auch die bürokratischen Hürden bei anderen, größeren Hochschulen leichter zu überwinden sein.